Leber
Die Leber
Wie funktioniert sie und warum ist sie für uns wichtig?
Denkt man an wichtige Organe im Körper, fallen den meisten Menschen als erstes das Herz oder die Lunge ein. Der Herzschlag beim Laufen, der tiefe Atemzug an der frischen Luft – diese Funktionen sind direkt und bewusst spürbar. Doch in der Mitte unseres Körpers steckt auch eine stille Heldin, die ganz unbemerkt eine mindestens ebenso lebensnotwendige Arbeit macht: Die Leber.
5 Fakten über die Leber1-3
- Ein echtes Schwergewicht: Die Leber wiegt 1,4 bis 1,8 Kilogramm. Damit ist sie das schwerste innere Organ und die größte Drüse des Körpers. Eine Drüse ist ein Organ, das bestimmte Stoffe in unserem Körper produziert und abgibt, wie eine Fabrik.
- Milliarden kleinste Bausteine: Die Leber besteht aus 4 Leberlappen mit mehreren Milliarden Zellen. Davon sind ca. 80 % sogenannte Hepatozyten, die den Großteil der Stoffwechsel- und Entgiftungsaufgaben übernehmen. Die restlichen 20 % der Leber bestehen aus Unterstützer- und Immunzellen sowie aus Blutbahnen. Diese 20 % steuern die Immunabwehr, Gewebereparatur und den Stofftransport der Leber.
- Blutkreislauf: Ungefähr 1,5 Liter Blut fließen pro Minute durch die Leber. Das sind umgerechnet fast 2.000 Liter pro Tag. An einem Tag fließt unser Blut also etwa 350- bis 400-mal durch die Leber. Dabei gibt das Blut unzählige Stoffe ab und nimmt andere wieder auf.
- Die Leber in Bewegung: Die Leber liegt im rechten Oberbauch, direkt unterhalb des Zwerchfells, und wird von den unteren Rippen geschützt. Aufgrund ihrer Position bewegt sie sich bei jedem Atemzug mit – obwohl wir es nicht spüren.
- Regeneration: Die Leber hat eine einzigartige Regenerationskraft. Sie ist das einzige Organ, das nachwachsen kann, wenn ein Teil beschädigt oder operativ entfernt wird. Nach etwa 6 Monaten hat sie ihre ursprüngliche Größe wieder erreicht. Dieser Effekt wird auch bei Organspenden genutzt.
Wichtig!
Diese beeindruckende Regenerationsfähigkeit hat ihre Grenzen. Bei einer dauerhaften Belastung oder chronischen Entzündungen schafft es die Leber irgendwann nicht mehr, sich gesund zu erneuern. Stattdessen bildet sich funktionsloses Narbengewebe (Zirrhose). Durch diese schleichende Vernarbung kann die Leber ihre lebenswichtigen Aufgaben schließlich nicht mehr erfüllen. Und anders als bei Herz oder Nieren gibt es kein medizinisches Gerät (Herzschrittmacher, Dialyse), das ihre Aufgaben auch nur vorübergehend ausreichend übernehmen könnte. Daher ist es wichtig, frühzeitig an die Lebervorsorge zu denken und Narbenbildung in der Leber so gut wie möglich zu vermeiden. Lerne hier, was du für deine Lebergesundheit tun kannst:
Funktionen der Leber
Die Leber ist das zentrale Stoffwechsel- und Entgiftungsorgan unseres Körpers. Sie verarbeitet Nährstoffe aus der Nahrung, produziert lebenswichtige Substanzen und hilft bei der Abwehr von Krankheiten. Doch die Leber kann noch viel mehr! Klicke auf die untenstehenden Begriffe und lerne die Aufgaben der Leber genauer kennen:
Lebererkrankungen – wenn die Leber nicht richtig funktioniert9,10
Die Funktion der Leber ist vielseitig und komplex. Wenn sie beeinträchtigt ist, kann das weitreichende Folgen für die Gesundheit haben. Da das Gewebe der Leber keine Schmerzrezeptoren besitzt, spürt man die Schädigung der Leber für gewöhnlich nicht. Lebererkrankungen bleiben daher oft lange unerkannt. Erst wenn die Fehlfunktion so weit fortgeschritten ist, dass Giftstoffe im Körper verbleiben, oder lebenswichtige Eiweiße und Energiebausteine fehlen, macht sich die Erkrankung durch körperliche Beschwerden bemerkbar.
Mögliche Lebererkrankungen im Überblick:10
Hepatitis (Leberentzündung)
Fettleber
Leberzirrhose
Akutes Leberversagen
Tumoren
Gelbsucht
Primär biliäre Cholangitis (PBC)
Primär sklerosierende Cholangitis
Parasiten
Besonders die Hepatitis, eine entzündliche Erkrankung der Leber, ist weltweit sehr weit verbreitet. Dabei gibt es je nach ursächlichem Erreger verschiedenen Arten von Hepatitis (A, B, C, D, E), die teilweise unterschiedliche Übertragungswege, Verläufe, Schweregrade und Behandlungsmöglichkeiten haben.
Laut einer Erhebung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 2022 litten zum Beispiel 304 Millionen Menschen weltweit an einer Virusinfektion mit Hepatitis B oder Hepatitis C – mit weitreichenden Folgen: 1,3 Millionen Menschen starben laut WHO 2022 an den Folgen der Infektion mit Hepatitis B oder C.11
Du möchtest mehr über Hepatitis B erfahren? Klicke hier: Was ist Hepatitis B?
Weil das Organ stumm leidet, verlaufen selbst schwerwiegende, chronische Lebererkrankungen über Jahre hinweg oft völlig symptom- und schmerzfrei. Während sich die Krankheit unbemerkt weiterentwickelt, wird gesundes Lebergewebe schleichend durch Narbengewebe ersetzt. Dies kann zu irreversiblen Schäden wie einer Leberzirrhose oder Leberkrebs führen. Umso wichtiger sind Untersuchungen zur Früherkennung, zum Beispiel durch die Erhebung der Leberwerte im Rahmen eines Blutbildes. Denn wenn Leberprobleme früh erkannt und behandelt werden, lassen sich schwere Schäden (wie Leberzirrhose oder Krebs) oft verhindern. Viele Leberkrankheiten sind heute gut behandelbar.
Untersuchung der Leberfunktion12,13
Bestimmte Werte in einer Blutprobe können Warnsignale sein, um Lebererkrankungen möglichst frühzeitig zu entdecken. Auf dem Laborbericht können ganz viele verschiedene Abkürzungen und Fachbegriffe stehen. Wofür stehen sie und was sagen sie über deine Lebergesundheit aus?
GOT und GPT sind Enzyme, die eine Rolle im Eiweißhaushalt spielen. Sie werden ins Blut abgegeben, wenn Leberzellen sterben. Daher ist ein hoher Wert dieser Enzyme ein mögliches Anzeichen für eine Hepatitis, Schäden durch bestimmte Medikamente, Alkoholschäden oder eine andere Erkrankung.
Das Enzym Gamma GT ist oft bei starkem Alkoholkonsum oder Fettleber erhöht, da es in diesen Fällen vermehrt produziert wird.
Alkalische Phosphatasen sind Stoffwechselenzyme, die auch in Knochen und Nieren gebildet werden. Sie sind ein Zeichen für Probleme im Gallengang (Gallenstau / Cholestase), können in seltenen Fällen aber auch auf eine Knochenerkrankung hindeuten.
Albumin & Gerinnungswerte sind sogenannte Marker dafür, wie gut die Produktion von Eiweißen in der Leber funktioniert. Auffällige Werte weisen auf eine fortgeschrittene Leberschädigung hin.
Bilirubin ist ein Abbauprodukt der roten Blutkörperchen (Hämoglobin). Bei Gelbsucht ist der Wert für Bilirubin erhöht. Er kann außerdem ein Anzeichen für eine eingeschränkte Leberfunktion oder Probleme im Gallengang (Gallenstau / Cholestase) sein.
Wichtig
Nicht alle diese Werte werden automatisch bei jeder Blutprobe untersucht. Sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt über deine Lebergesundheit. Sie oder er kann die passende Laboruntersuchung anordnen.
Diese und ggf. weitere Blutwerte können ein erster Hinweis sein. Sind einzelne oder mehrere Werte erhöht, muss das allerdings nicht zwangsläufig in einem Zusammenhang mit der Leber stehen. Ein auffälliger Wert muss nicht unbedingt eine Erkrankung bedeuten. Deine Ärztin oder dein Arzt wird die Blutwerte im Gesamtzusammenhang mit anderen Faktoren bewerten.
Sicher wünschen sich viele einen einfachen einmaligen Test mit einer klaren Antwort. Das ist absolut verständlich – besonders wenn es um die eigene Gesundheit geht! Doch für eine eindeutige Diagnose können weitere Untersuchungen notwendig sein. Die Werte werden oft auch über einen längeren Zeitraum beobachtet. Erst dann werden passende Behandlungen besprochen.
Du bist verunsichert von deinen Blutwerten und ihrer Bedeutung?
Deine Ärztin oder dein Arzt können sie für dich einordnen. Trau dich, sie auf die Ergebnisse anzusprechen.
Was kann man tun, um seine Leber zu schützen? Du kannst deine Lebergesundheit aktiv fördern und mögliche Erkrankungen vorbeugen. Lerne hier mehr darüber:
NP-DE-HP-WCNT-260002, August 2026